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Geo
Special "Budapest" von 1989
EWIGER
TRAUM VOM GESTERN: Nur wenige Städte laden so zu nostalgischem
Schwärmen ein wie Budapest, das immer noch von Ruhm und Schönheit
seines Glanzes zur Jahrhundertwende zehrt. Die Metropole an der Donau
ist früh ergraut und hofft jetzt auf einen zweiten Frühling.
Ihr widerspenstiger Charme wurde mit der Kamera aufgespührt, von
dem paradoxen Seelenleben wird erzählt
WIRTSCHAFT: Alles noch mal von vorn - Ungarns Betriebe sind - wie
die Eisengießerei in Csepel - völlig veraltet. Um den ökologischen
Niedergang zu stoppen, wollen Reformer den Kapitalismus einführen
SUBKULTUR: Helden und Schamanen - die Budapester Kunstavantgarde
flüchtet traditionell gern in Riten und Rituale. Erzählung von
hymnischen Sonnenanbetern und "Rasenden Leichenbeschauern"
BADEHÄUSER: Paläste fürs Planschen - die Bäder
der Donaustadt sind prächtig gestaltete Tempel der Wasserlust, in
denen man wie im "Gellert" Leib und Seele treiben lassen kann
OPPOSITION: Der Mut zum Risiko - nach 40 Jahren Diktatur müssen
neue Parteien wie die "Ungarische Demokratische Forum" ihren
Standort oft erst noch finden. Geburtswehen einer Demokratie
ROMA: Ein Volk aus anderer Zeit - die ungarischen Roma sind verelendet
wie nur wenige Minderheiten Europas - in einem Land, das mit dem Bild
des fröhlichen fiedelnden Zigeuners um Touristen wirbt
BAUKUNST: Flower Power - mit Naturornamenten wie an der Budapests
Geologischem Institut wagten Ungarns Jugendstilarchitekten vor 100 Jahren
einen radikalen Neuanfang
SOWJETSOLDATEN: Abschied des Großen Bruders - 1944/45 befreite
die Rote Armee Ungarn von den Nazis - und vergaß wieder abzuziehen.
Schwieriges Verhältnis zwischen Besetzten und Besatzern, deren Zahl
jetzt reduziert wird
1956: Der Atem der Freiheit - nach acht Jahren Unterdrückung
revoltierten die Ungarn im Hernst 1956 gegen Regierung und Sowjetarmee
und spürten 13 Tage lang Freiheit und Unabhängigkeit, ehe ihr
Aufstand blutig erstickt wurde. Doch seit Ungarns demokratischer Öffnung
ist die Revolution kein Tabu mehr, sondern ein Mythos, und die einst als
Verbrecher hingerichteten Kämpfer werden als Volkshelden verehrt.
Täter und Opfer von damals: unter anderem Ex-Geheimpolizisten, aber
auch Maria Haraszti, deren Mann im Gefängnis ermordet wurde, und
Szilard Ujhelyi, einem einst eingekerkerten Reformkommunisten
ausserdem: Monopoly: Budapests Wohnungsnot - Machtkampf: ein Stalinist
packt aus - Weinspelunken: einmal volltanken, bitte - Fußball: Traumreich
der ungarischen Fans - Cafehaus: Nachruf auf einen magischen Ort - Erinnerungen:
Niederlagen der Stadt und ihre Tragikkomödie - Parlament: Prunk und
Pracht und wenig Politik - Sprache: Schutzwall aus Vokabeln und Konsonanten
- Zentrale Markthalle: Pasteten, Paprikakränze und "Küßdiehand"
- Friedhöfe: Triumphbögen der gescheiterten Helden - Küche:
nicht nur Gulasch und Paprika - Aristokraten: vom Ende einer herrschenden
Klasse
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