Philipp Nordmann, Installateur & Heizungsbaumeister in Gütersloh, heizungsbaumeister@gmx.de
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Stoßchlorung einer Eigenversorgungsanlage (Bohrbrunnen / Schlagbrunnen) mithilfe einer Chlortablette / Chlorlösung
1. Wasserinhalt der Gesamtanlage berechnen: (Beispiel)
- Bohrloch-Saugleitung 1,5 Liter * 15 Meter = 22,5 Liter
- + Leitungssystem im Haus = 50 Liter
- + Druckkessel = 300 Liter
- + Warmwasserspeicher = 200 Liter
- + Ausdehnungsgefäß = 18 Liter
- Summe Gesamtanlage = ca. 600 Liter -> Dosierung nach Absprache mit der zuständigen Behörde bzw. dem zuständigen Umweltlabor / Wasserlabor wählen
- Achtung: u.U. mit dem Hersteller des Warmwasserspeichers Kontakt aufnehmen, ob der Speicher mit Chlorlösung gespült werden darf! Möglicherweise kann es zu Konflikten zwischen dem Material des Speichers und der ätzenden Chlorlösung kommen!
2. Zum Waschen, Kochen, Toilettenbenutzung etc. ist ein Wasservorrat für mindestens 12 Stunden anzulegen. Das bevorratete Trinkwasser sollte in dieser Zeit nur im abgekochten Zustand verwendet werden.
3. Als Desinfektionsmittel für die Chlorung kann eine 15 %ige Chlorbleichlauge verwendet werden. Ebenfalls können Chlortabletten oder Chlorgranulat verwendet werden. Das Desinfektionsmittel ist in einer Menge von 8 bis 10 Gramm je Kubikmeter Wasserinhalt der Gesamtanlage (Inhalt Bohrloch / Schlagbrunnen / Sanmmelbehälter + Rohrleitungen + Druckkessel + Warmwasserspeicher + etwaige andere Behältnisse wie z.B. Ausdehnungsgefäße) in einem Gefäß (Eimer o.ä.) aufzulösen und in den Brunnen einzubringen.
4. Anwendungsverfahren:
- Chlorlösung vorbereiten. Achtung: Auflösen von Tablette / Granulat kann einige Stunden dauern, darum nur im Freien ansetzen; ansonsten Gefahr der Verätzung der Atemwege!
- Kolbenpumpe / Kreiselpumpe abstellen und sämtliche Wasserhähne öffnen (auch Warmasser!)
- aus dem vorhandenen Druckkessel den Druck ablassen und vorhandenes Wasser vollständig ablaufen lassen
- dabei alle installierten Rückschlagventile öffnen bzw. deren Einsätze demontieren und alle Absperrungen (Schrägsitzventile, Kugelhähne, Muffenschieber o.ä.) öffnen!
- aus dem Warmwasserspeicher alles vorhandene Wasser ablaufen lassen (auch hier Rückschlagventil in der Kaltwasserleitung zum WW-Speicher öffnen bzw. Einsatz herausbauen)
- auf dem Boden und an den Wänden des Druckkessels angesammelte Schlammablagerungen gründlich entfernen (Reinigung des Druckkessels durch das Revisionsloch)
- bei der Zubereitung der Lösung unbedingt Arbeitsschutzkleidung tragen, da Chlor ätzende Wirkung hat: Handschuhe, Gummischürze und Schutzbrille sind dringend empfohlen!
- die zubereitete Chlorlösung in die Saugleitung / in das Förderrohr (zwischen Brunnen und Pumpe) einbringen. Sollte dies wegen zu starrer Leitung nicht möglich sein: Rückschlagventil-Einsatz vor der Pumpe herausbauen und Chlorlösung mittels Trichter dem Förderrohr / Saugleitung / Bohrloch hineingießen
- alle Zapfhähne / Zapfstellen schließen
- die Pumpe anstellen, damit die Lösung mit dem Brunnenwasser vermischt und in die Förderleitung, den Druckkessel, den Warmwasserspeicher sowie die gesamten Hausleitungen gepumpt wird
- die Pumpe so lange laufen lassen, bis die Chlorlösung im auslaufenden Wasser an jedem einzelnen aufgedrehten Wasserhahn (Küche, Badezimmer, Außenzapfstellen o.ä.) geruchlich wahrnehmbar ist. Die Hähne einzeln und nacheinander aufdrehen, ansonsten geht u.U. zu viel Chlorlösung verloren!
- Pumpe abstellen
- die Chlorlösung mindestens 12 Stunden (am besten nachts) und länger in den Leitungen zur Desinfektion stehen lassen. Nötigenfalls an jedem Wasserhahn / jeder Zapfstelle Warnhinweise / Warnschilder anbringen
- nach 12 Stunden oder mehr Pumpe anstellen und über die Zapfhähne / Zapfstellen Wasser so lange laufen lassen, bis kein Chlor mehr wahrgenommen werden kann
- nach erfolgter Chlorung bakteriologische Nachprobe beantragen / vom zuständigen Labor durchführen lassen. Dabei unbedingt das Datum der Chlorung angeben. Dazu auf keinen Fall die Transportflasche mit Reinigungsmittel / Spülmittel vorher reinigen (Verfälschung der Labor-Ergebnisse)! Am besten Mineralwasserflasche - zuvor mit normalem Wasser aus nicht bakteriologisch verseuchter Quelle gespült (beim Nachbarn o.ä.) - verwenden.
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